Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für Querschnittsgelähmte: Forscher der Northwestern-Universität in Evanston im US-Bundesstaat Illinois haben ein bioaktives Gel entwickelt, das das Wachstum von Nerven fördert und selbst schwere Rückenmarksverletzungen heilen könnte. Gelähmte Mäuse lernten damit wieder laufen.
Kern der Therapie sind Peptid-basierte Nanofasern, die nach der Injektion in betroffene Körperregionen ein vernetztes Stützgerüst um den geschädigten Nerv bilden und wachstumsfördernde Botenstoffe abgeben.
Anders als viele andere Körpergewebe besitzen Nerven und Rückenmark nämlich nur eine begrenzte Fähigkeit zur Selbstheilung: Werden sie vollständig durchtrennt, wachsen sie nicht mehr zusammen und eine Lähmung ist die Folge. Ein Grund dafür ist der Einfluss der extrazellulären Matrix, die die Nervenzellen umgibt. Die spezielle Mischung aus gerüstbildenden Nanofasern und Botenstoffen grenzt zwar die Schäden ein, verhindert aber das Nachwachsen der Nervenfasern.

Mäuse konnten nach vier Wochen Beine wieder bewegen

Wie gut die Therapie wirkt, testeten die Experten bei gelähmten Mäusen mit frisch verletztem Rückenmark. Dafür injizierten sie den Tieren das bioaktive Peptid-Amphiline und ermittelten, wie gut sich das Nervengewebe regenerierte. Das Ergebnis: Das Wachstum der Nervenfasern war bis zu 50-mal größer als normal. Nach vier Wochen konnten Mäuse die gelähmten Hinterbeine wieder bewegen.

Wieder wachsende Nervenfasern (rot) an der Stelle (gelb markiert), an der der Nerv durchtrennt wurde
(Bild: AFP/Northwestern University (Handout), krone.at-Grafik)

Dieser Text erschien im Original in der Kronenzeitung vom 13. November 2021 bzw. auf Krone Online